Marseille. Eine Stadt, rau, lebendig und voller Kontraste. Mitten in diesem unruhigen Takt liegt am Boulevard de la Corderie ein Ort, an dem die Zeit einem anderen, ehrlichen Rhythmus folgt: der Sporting Club Marcel Cerdan. Wer hier eintritt, begibt sich auf eine Reise an die Fundamente des europäischen Boxsports.
Die Geschichte dieses Raumes reicht zurück in das Jahr 1945. Ursprünglich als Central Sporting Marseillais gegründet, ist er die älteste noch aktive Boxschule der Stadt. Doch es war das Jahr 1949, das dem Gym seinen unsterblichen Namen gab. Damals kam kein Geringerer als Marcel Cerdan hierher, um sich auf einen seiner großen Kämpfe vorzubereiten. Cerdan – der „Bombardier Marocain“, Weltmeister im Mittelgewicht und eine Ikone, deren Tragik und Klasse bis heute nachwirken. Seine Präsenz prägte diesen Ort so tief, dass der Club fortan seinen Namen trug. Es war eine Ära von Schweiß, schwerer Arbeit und kompromissloser Hingabe.
Jahrzehnte vergingen, die Welt da draußen veränderte sich, doch der Kern dieses Ortes blieb unberührt – auch weil in den 1980er Jahren ein Mann das Erbe antrat, um die traditionsreiche Halle vor dem Verfall zu retten: Fernand Leonetti, in der Boxwelt von allen nur ehrfürchtig „Souris“ genannt. Er übernahm das Steuer und wurde für Generationen von Boxern weit mehr als nur ein Clubleiter; er wurde ein Vater, ein Mentor und das pochende Herz dieses Gyms.
Ein Leben für den Boxsport: Fernand „Souris“ Leonetti, der das historische Erbe von Marcel Cerdan bis heute mit Stolz lebendig hält.
Heute durfte ich diesen geschichtsträchtigen Ort besuchen und eine echte Boxlegende persönlich treffen. Souris führte mich durch sein Reich, und dass er stolz auf seinen Club ist, war in jedem einzelnen Augenblick greifbar. Jede Ecke dieses Raumes atmet die Geschichte, die er über Jahrzehnte bewahrt hat. Die Wände sind dicht behängt mit vergilbten Zeitungsberichten, historischen Fotos und Plakaten – stumme Zeugen unzähliger Schicksale. Ein lebendiges Museum, geformt von Beständigkeit und echter Leidenschaft.
Geschichte an den Wänden: Vergilbte Zeitungsberichte, historische Kampffotos und alte Clubregeln zeugen von jahrzehntelanger Leidenschaft und machen das Gym zu einem lebendigen Museum des Boxsports
Es war mir eine Ehre, dass Souris sich schließlich von mir ablichten ließ, um diese stolze Aura im Bild einzufangen. Und bevor das Training begann, entstand auch noch ein gemeinsames Foto von uns beiden direkt am Boxsack – ein Erinnerungsstück, das für mich einen ganz besonderen Wert hat.
Geteilte Leidenschaft, tiefer Respekt: Ein unvergesslicher Moment mit Fernand „Souris“ Leonetti, dem wahren Fundament des Clubs.
Danach durfte ich beim Training zuschauen.  Doch beim eigentlichen Training habe ich mich bewusst zurückgehalten. Aus purer Begeisterung für die Kulisse – und vor allem, weil ich die absolute Konzentration der Athleten nicht stören wollte. Manche Momente gebieten es, das Handwerk ruhen zu lassen und den Fokus ganz auf den Respekt vor den Sportlern zu richten.
Denn genau das steht hier, in der Welt von Souris, ganz oben an der Tagesordnung: Respekt und Stolz. Trotz der offensichtlichen Sprachbarriere begegneten mir alle Boxer im Raum mit einer außergewöhnlichen, ehrlichen Freundlichkeit.
Fotografie bedeutet für mich, aus der Vergänglichkeit des Augenblicks zeitlose Bilder zu erschaffen. Dieser Tag in Marseille, die Begegnung mit Souris und das Spüren der unvergänglichen Cerdan-Tradition werden als ein ganz besonderes Kapitel in meine kreative Reise eingehen.
Loyal to the Core, Inspired by the Journey.
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